Das Forum ist geschlossen. Die Beiträge werden weiterhin zu lesen sein.

20 Beiträge / 0 neu
Letzter Beitrag

Spreeufer für alle

KoSP
Bild des Benutzers KoSP
Ort: Berlin Prenzlauer Berg
Offline
Beigetreten:
17.10.2014

Spreeufer für alle – so viel steht fest. Aber wer sind eigentlich „alle“? Wünsche und Belange haben viele: die Anlieger und Ufernutzer, die Mieter der neuen Häuser am Ufer, die Familien und Kinder der Luisenstadt. Sicherlich ist die Uferzone auch für Besucher und Touristen interessant. Für welche „Zielgruppen“ soll das Spreeufer also hergerichtet werden?

Bisher ist der Katalog der angestrebten Nutzungen am Spreeufer noch relativ vage: Erholen, Treffen, Spazieren, Bewegen. Aber wie kann das konkret aussehen? Was möchten Sie gerne am Spreeufer tun?

Speis, Trank und Musik mit Blick auf die Spree: verlockende Vision oder Lärmquelle und kommerzielle Verwertung? Wie viel Gastronomie und Clubleben verträgt das Spreeufer? Wo können und sollen entsprechende Angebote geschaffen werden?

Steinern oder grün? Das gestaltete Spreeufer in der Berliner Innenstadt kennt viele Facetten. Auch zwischen Inselbrücke und Schillingbrücke findet man heute parkähnliche Abschnitte (wie am Märkisches Ufer), steinerne Abschnitte (wie am Jannowitz-Center) oder „Strand“-Bereiche (Spreefeld). Welches Gestaltungsmotiv sollte hier weiterverfolgt werden? Oder besser „kunterbunt“ und verschieden?

lepper
Offline
Beigetreten:
24.12.2014

Gut dass dieses Forum an den Start gegangen ist, hoffentlich beteiligen sich viele.
Hier als erstes ein Link auf meine Photos von unserer Begehung:
http://markuslepper.eu/photos_20...
(auf der Seite sind Vorschauen hinter denen das Link auf die HQ-Fassung liegt. Der Text ist auf Englisch, weil er
Teil der "Berlin-Wanderungen für alle" auf meiner Seite ist.)
Sie dürfen nach Rücksprache gerne verwendet werden. Vielleicht hat sonst noch jemand Photos?

Auf dem Spaziergang hatte jemand doch die Idee mit einem Modellbau?
Wie weit ist das denn ?

Grusz
Markus Lepper

Klaus Krause

Lärmquellen sind leider unvermeidbar, darum deren Lage steuern; möglichst entfern von Wohnbebauung. Die anderen Bereiche eher grün und eher ohne Pflaster, besser Kies oder sandgeschlämmte Schotterdecke. Also was oben "kunterbunt" genannt wurde.
Außerdem auch durchgängig für Radverkehr nutzbar machen. In engen Abschnitten durch Gestaltung zum Langsamfahren anregen.

Stadtbär
Offline
Beigetreten:
03.01.2015

Die Abschnitte sollten verschieden gestaltet sein ("kunterbunt") passend je nach Ort. Besonders wichtig wäre mir, dass die Stadt dem Fluss möglichst nahe kommt ("Venedig"), am Band des Bundes finde ich das gut gelungen (steinerne Stufen ins Wasser) oder in Stalau (naturnahe Ufer), also möglichst niedriges Niveau des Weges über der Spree ohne Geländer, nahe am Wasser.

Der Abschnitt am Märkischen Ufer in Anlehnung an historische Gestaltung, der Abschnitt zwischen Jannowitzbrücke und Michaelbrücke steinern mit Stufen ins Wasser, der Abschnitt Michaelbrücke-Schillingbrücke naturnah mit Flachufer.

-Aussichtspunkte auf den Spreeraum (Balkons, Stege u.ä)
-Sitzplätze zum Sonnen ( Holzdeck im Bereich vor dem Kraftwerk/eine Plattform im Wasser vielleicht mit integrierten "schwimmenden Gärten" mit Wasserpflanzen)
-Sitzplätze unter einem (alten) Baum direkt am Wasser (wie z.B. am Moabiter Werder)
-Restaurantboot ähnlich Moabiter Brücke (für den Bereich Paula-Thiede-Ufer)
-Gebüsche aus Ruderalvegetation wenn möglich erhalten (siehe Park auf dem Moabiter Werder), für ältere Kinder u.U. interessanter als ein vordefinierter Spielplatz
-Bereich mit Sportgeräten
-attraktive Baumbepflanzung mit Frühjahrs- und Herbstaspekten (siehe Moabiter Werder)
- gastronomische Nutzung im Bereich der Eisfabrik (viellicht ein kleiner Platz wie bei ehem. Strandbar Mitte am Bodemuseum/Monbijoupark)
-Farbe und Licht

Ruhe1
Offline
Beigetreten:
04.01.2015

Vorab meine Position zur etwas pseudodemokratischen Bürgerbeteiligung:
Schön ist zwar, dass man sich überhaupt äußern kann. Eine angemessenen Beteiligung der unmittelbar Betroffenen (und damit meine ich lange hier schon Wohnende und keine gerade aus dem Südwesten zugezogene Eigentümer von Wohnraum) wird nicht möglich sein. Hier nicht Wohnende werden das Vorhaben ganz toll finden. Da kann man sich ja dann mal so richtig am Spreeufer ausleben. Schon allein von der Gewichtung wird geschätzt ein Verhältnis von 1 zu 100 oder schlechter in der Beteiligung eintreten. Eine angemessene Berücksichtigung der Rechte der Anwohner wird nicht gesichert werden, hat bisher auch an keiner Stelle der Stadt halbwegs funktioniert.
Beispiele für eine nicht angemessene Massennutzung von öffentlichem Raum gibt es genug:
- Zweckentfremdung des Tiergartens durch Massengrillen (über Jahre nicht in den Griff bekommen, alle Bürger müssen für die Müllentsorgung und Reparatur der Flächen aufkommen
- Admiralsbrücke, Party bis zum Abwicken, Lärm-Müll, Hausflure werden zum Urinal, über viele Jahre von den Ämtern nicht in den Griff bekommen, tolle Idee mit Mediatoren dem Partyvolk Manieren beibringen zu wollen
-...
Und bisher ohne Uferweg über 10 Jahre im Umfeld Erlebtes:
- Lärm durch Strandbars
- Lärm durch Charterschiffe, die nachts mit voller Decksbeschallung die Spree befahren
- Grillen direkt am Wohnhaus
- Lärm die ganze Nacht insbesondere im Sommer durch Touristen
- organisierte/nicht genehmigte Massenpartys mit Soundmaschine und Alkoholausschank
- ungenierter Drogenkonsum
- Lärm/Müll/Bedürfnisanstalt
- Vandalismus, Graffiti
Jetzt werden die Befürworter gleich massenhaft antworten,... na dann soll man doch wegziehen...
Das nennt man dann glaube ich Gentrifizierung, wird auch so eintreten, Wohnraum wird zwangsläufig zu Büroraum umfunktioniert werden. Darüber sollten sich die Befürworter auch mal Gedanken machen.
Nun meine Position zum Uferweg:
Bevor überhaupt Konzepte diskutiert werden, sollten die Verantwortlichen auch mal öffentlich beantworten, wie mit den Rechten von Anwohnern umgegangen wird. Die Lärmminderungsplanung Berlin muss sich hier unbedingt auch mit einbringen. Insbesondere in der Nähe der Brücken sind bereits jetzt Lärmpegel von über 70 dBa am Tag und über 55 dBA nachts vorhanden. Ab 50 bis 55 dBA aufwärts sind gesundheitliche Schädigungen die Folge. Will man das im Bezirksamt Mitte etwa vernachlässigen?
Gänzlich lehne ich ab, dass im gesamten Stadtgebiet private Boote anlegen dürfen. Das werden dann doch nicht nur 5 oder 10 Boote sein, die Anlegen wollen. Auch hier sind Umweltvorschriften zwingend zu beachten. Und,... ich kann mir kaum vorstellen, dass am Bundestag oder an der Museuumsinsel eine Marina gebaut werden darf. Zu diesem Hotspot wollen aber dann alle hin. Dann zum Lärm durch den Uferweg auch noch Lärm durch anlegende Boote und Schiffe direkt an Wohnhäusern??? Hier sollten sich die Planer mal mit der rechtlichen Seite befassen. Die Spree ist eine Bundeswasserstrasse und darf nicht für privates Anlegen genutzt werden. Wenn das Bezirksamt hier etwas genehmigen will, dann muss es im entsprechenden Amt von Berlin und dem des Bundes vorstellig werden. Die Ämter wird nichts genehmigen, was der "Leichtigkeit des Schiffsverkehrs" und Umweltbestimmungen zuwider läuft.

Stadtbär
Offline
Beigetreten:
03.01.2015

@Ruhe1: Darum gibts ja das Forum und anschließend die workshops, damit man zusammen überlegen kann, wie man einen Kompromiss findet zwischen Anwohnerinteressen und gesamtstädtischen Interessen. Wie könnte denn deiner Meinung nach ein Uferbereich aussehen, der die Wohngebiete nicht aufwertet, so dass es zu Verdrängungsprozessen kommt, andererseits aber trotzdem attraktiv wäre (nicht nur für die Anwohner, sondern für alle Berliner und Gäste)??
Zum Lärm: ich könnte mir vorstellen, dass die große Zeit als Feierzone langsam zu Ende geht und die Karawane weiterzieht (z.B. flußaufwärts). Der Lärmpegel an den Brücken ist ein Problem der gesamten Verkehrsplanung im Zentrum. Da müsste man die autogerechte Stadt großräumig stärker zurückbauen und Fuß-, Radverkehr und ÖPNV stärken. Dann sink auch der Lärmpegel.

Die Bootsanlegesituation sehe ich genauso, zumal Schiffsmotoren nicht gerade die schadstoffärmsten sind. Darum sollte man hin zu postfossiler Nutzung des Wasser, z.B. mit einem kleinen Kanuverleih. (Die Kanus könnten in einem Regal liegen, dazu bräuchte man noch ein Verkaufshäuschen, nimmt also nicht viel Platz weg) Außerdem versperren die Boote den Blick auf die Spree.

Robin
Bild des Benutzers Robin
Ort: Bewohner Spreefeld, Mitglied Spreeacker
Offline
Beigetreten:
11.12.2014

Hier meine unsortierten Ideen für Nutzung und Gestaltung:

Ziele:
- Weg soll für Anwohner und Besucher attraktiv sein
- soll für Fußgänger Wege verkürzen
- soll zum Verweilen, Erholen dienen
- soll Natur und Fluss erlebbar machen
- soll informieren über geschichtliche Entwicklung und aktuelle Initiativen

Generelle Anmutung/Herangehensweise:
- lieber selbstgemacht als gekauft
- lieber geschlängelt als gerade
- lieber naturbelassen als asphaltiert
- lieber kreativ als langweilig
- lieber langsam als schnell
- lieber sich entwickeln lassen als geplant umsetzen

Gestaltungsideen:
- Skulpturen
- Nachbarschaftsgärten
- Infotafeln und Wegweiser
- Möblierung mit Bänken, mobilen Sitzgelegenheiten
- Kletterbaum, Baumhaus
- Picknick Platz
- Nachbarschafts-Treffpunkt
- Treppen zum Wasser
- Strandbereich
- Pädagogischer Pfad
- Erlebnispfad
- Fitnesspfad
- Kiosk
- Bootsverleih für Kanus, Ruderboote

Umsetzung:
Ich könnte mir gut vorstellen, dass man eine Wegeführung plant und diese professionell umsetzt inklusive Wegebelag, offizieller Schilder, Mülleimer und notwendiger Beleuchtung. Außerdem müsste die Ufersicherung und eventuelle Brücken und Stege professionell geplant und umgesetzt werden.
Die ganze Drumherumgestaltung (Bepflanzung, Möblierung, Gestaltung) könnte aber in einem langsameren Prozess von Anwohnern und Vor-Ort-Initiativen umgesetzt werden.

Stadtbär
Offline
Beigetreten:
03.01.2015

@Robin: der Vorschlag, das Ganze als langsamen Prozess und von "den Bürgern" selnstgemacht umzusetzen, nachdem das "Gerüst" professionell hersgestellt ist, gefällt mir gut. Was wäre versicherungstechnisch machbar? Wie könnte man das organisieren (vielleicht durch einen Beirat in dem Anwohner und Initiativen vertreten sind?) Ich kann mir das gut für den Bereich am Holzuferblockvorstellen, beim Märkischen Ufer weniger.

Ruhe1
Offline
Beigetreten:
04.01.2015

An Stadtbär:
Die große Feierzeit ist, denke ich nicht vorbei. Das Partyvolk ist nur teilweise weitgezogen. Und da die weitergezogen sind, ist an der Spree ein vermeintliches Vakuum im Umfeld entstanden, in dem, selbst oft genug erlebt, halt ungenehmigt gefeiert wird.
Ein Uferweg kann zwar die Stadt aufwerten, aber nicht eine Wohnlage. Zusätzlicher Lärm und Müll wertet Wohnlagen ab. Oder ist Dir eine Ecke in der Stadt bekannt, wo die Zuständigen einen neu geschaffenen Zustand/Raum erhalten. In meiner Ecke ist Graffiti und Müll da und es wird kaum etwas "von Amtswegen" dagegen unternommen.
Das Mietrecht ist Dir sicherlich auch bekannt. Zusätzliche Lärmquellen wirken mietmindernd. Auch das Ambiente einer "verdreckten" Fläche mindert den Mietzins.
Und bei Lärmfragen sind die Umweltämter total überfordert. Die gestrichenen Stellen führen dazu, dass von Ämtern ganz offen Anwohner aufgefordert werden Anzeigen etc. zu machen um als Ersatz dann selbst wirksam zu werden. Die Amtsmacht, weil zu arm, entpflichtet sich oft. Auch vom Baurecht her (hier meine ich Clubs in Häusern) wollen die Ämter nicht oder kaum präventiv wirken. Die gehen auch wieder ganz offen dargestellt, davon aus, dass der Betreiber richtig (nach TA-Lärm und Blmsch) baut und bei Problemen die Betroffenen sich wieder selbst wehren müssen.
Interessant finde ich Deine Fragestellung, zu welchen Kompromissen ich bereit wäre. Das ist erst mal eine Frage, ob Du an Gesetzen und Verordnungen, insbesondere zum Lärm- und Umweltschutz vorbei einen Uferweg möchtest, wenn Anwohner pseudodemokratisch überstimmt werden.
Mal einen Ausflug zum Verkehrslärm: Hier haben einzelne Anwohner geklagt und vor Gericht Recht bekommen, mit der Folge, dass Lärmminderungen (Tempo 30,...) für alle Straßenbenutzer sanktioniert wurden.
Mir stellt sich immer noch die Frage, was die Stadt/der Bezirk will? Im Moment sehe ich (noch), nur Aushängeschilder, die sich Politiker und Verwalter zu Lasten der Anwohner ans Revers heften wollen.
Erst wenn auch auf gleicher Augenhöhe die Themen verhandelt werden, sehe ich demokratische Verhältnisse. Das Recht auf Lärmschutz ist unveräußerbar und nicht aufrechenbar gegen einen gefühlten Mehrwert für Tourismus, etc...
Wenn das sicher gestellt ist, werde ich mich auch weiter beteiligen.
Wenn das nicht sicher gestellt ist werden einige sicher auch gleich in eine Verteidigungsstellung gehen und den Klageweg wählen. Und da gibt es ja auch genug prominente/aktuelle Beispiele, wie sich Anwohner erfolgreich wehren können.
Mal sehen, was die Verwalter sich wünschen. Ein zufriedenes Feiervolk oder geklärte Anwohnerprobleme.

Ruhe1
Offline
Beigetreten:
04.01.2015

An Robin:
Deine Ansätze finde ich toll. Da hätte ich noch Fragen:
- Was sollen Anwohner toll finden. Ein normales Gespräch zwischen 2 Menschen erzeugt etwa 30 - 40 dBa, die sollen dann nachts bei 30 Grad und offenem Fenster schön empfunden werden.
- entwickeln lassen..., ist wohl nicht Ziel der Verwalter und Politiker etwas woanders entwickeln zu lassen. Da gehen die medienwirksamen Auftritte verloren
- Picknickplätze,... also Grillen, also auch ordentlich Getränk zum Picknick und auch noch der richtiger Sound, das wird ja ein Erlebnispark. Sollte man auch so machen, fehlt in der Stadt, aber vorher noch bitte Anwohner umsiedeln, und Dreck-Müll-Schäden siehe mal Massennutzung im Tiergarten
- Skulpturen, ja Kunst muss unbedingt mit hin, kann dann durch Graffiti und Vandalismus verschönert werden, StreetArt ist die neue Kunstform
- Strandbereich, vollkommen ok, aber darf man auch baden? (siehe Bundeswasserstraßenrecht)
- Bootsverleih, siehe mal meinen Kommentar zur rechtlichen Situation (Bundeswasserstraßenrecht)
2 Fragen hätte ich:
Leider kommt in Deinem Text nicht ein einziges mal etwas zu den Problemen für die Anwohner vor. Ich glaube auch, dass Anwohner keine Begegnungsstätte am Wasser benötigen. Wer so etwas haben will, hat es schon bereits.
Deine Ansätze sind vollkommen richtig, aber bitte mit Verlaub, wer soll das alles finanzieren. Du wirst nach den ersten Plänen sehr erstaunt sein, was alles nicht bezahlt werden kann. Da ist ja im Moment noch nicht mal Geld für Graffitientfernung vorhanden. Und da es sich wahrscheinlich nicht um eine öffentliche Straße handeln wird, muss das Amt auch noch Müll, Schnee und Dreck selbst beseitigen. Schon an diesem Aufwand wird es entweder scheitern oder hinterher verrotten.
Der Bezirk Mitte ist per se klamm und Friedrichshain/Kreuzberg bereits insolvent.
Ich hätte die gleichen Ansätze und Ideen, wenn alles auf der grünen Wiese geplant und mit einem solventen Investor umgesetzt wird.

Andreas Lorenz
Ort: Mitte
Offline
Beigetreten:
28.01.2015

Die Beteiligung am Forum ist ja leider noch recht gering - insofern ist das Stimmungsbild bisher auch nicht wirklich repräsentativ. Die "Anwohner*innen"-Perspektive erscheint mir hier aber von "Ruhe1" sehr stark auf "Wir wollen keinen Lärm, Touris machen nur Dreck und nerven, kreativ funktioniert sowieso nicht" verengt zu sein - ich gebe zu: zugespitzt formuliert.

(Da um Transparenz gebeten wurde: Ich wohne im Sanierungsgebiet, aber nicht unmittelbar am Ufer. Bin kein Urberliner, aber auch nicht neu zugezogen, sondern seit 88 in Berlin und seit 99 hier im Kiez.)

Meine Meinung zur Uferentwicklung: Der Kiez hier lebt von seiner Vielfalt und Inhomogenität. Ein gutes Beispiel finde ich die (zunächst ja auch sehr umstrittene) Gestaltung des "Waldpflanzengartens" - der Abschnitt des ehemaligen Luisenstädtischen Kanals zwischen Adalbert- und Melchiorstraße. Dort ist es - in meinen Augen - gut gelungen, verschiedene Interessen zum Ausgleich zu bringen: Altes und Neues, gestalten und sich entwickeln lassen. Ich habe daher Sympathie für den Vorschlag von "Robin", eine Rahmensetzung vorzugeben, Offenheiten herzustellen, aber dann auch längerfristig Zeit und Raum zu geben, dass Bedürfnisse und Nutzungsweisen sich entwicklen, Gestaltungsideen im Konkreten reifen und sukzessive umgesetzt werden können.

Aber die Tendenz ist schon: eher grün als Stein, eher abwechslunsgreich als streng durchkomponiert. Gleichermaßen Verkehrsader entlang des Ufers (für Fußgänger*innen und Radfahrer*innen) wie Ruheraum zum Verweilen.

Was wir nicht brauchen: eine Marina/Bootsanleger für wenige Privilegierte. Oder Ödnis á la Verdi-Uferabschnitt. Überhaupt: Der Reiz dieses Kiezes ist seine anhaltende Unvollkommenheit. Ein bis ins kleinste Detail durchgestyltes Konzept hätte ein hohes Potential, ein Fremdkörper zu bleiben.
Was auch wichtig ist: Nichts entwickeln, was so pflegeintensiv ist, dass es dann - ab Zeitpunkt der Fertigstellung und Übergabe - mangels Wartung und Unterhalt schneller verfällt als es gestaltet wurde.

Ein Aspekt der mir auch wichtig zu sein scheint: Es darf nicht in den Hintergrund treten, die Entwicklungsperspektiven fürs Spreeufer Mitte mit den Aktivitäten in Friedrichshain und Kreuzberg azustimmen. Denn gerade die Verkehrsfunktion setzt eine Funktionsfähigkeit der Ufererschließung nach ähnlichem Konzept über die Bezirksgrenzen hinaus dringend voraus.

Brigitte Kunze
Offline
Beigetreten:
30.01.2015

Baden gehen
Baden - Schwimmen: Das fehlt mir bisher. Die Spree ist ein Fluss. Darin möchte ich baden gehen können. Ehe ich über Bootsanleger, Kanutouren ... diskutieren möchte, möchte ich schwimmen gehen können. Bei Planungen sollte daher immer berücksichtigt werden, dass Badeeinstiege und -ausstiege gut und behindertenfrei möglich sind - auch wenn wegen der mangelnden Wasserqualaität dies heute noch (!) nicht möglich ist. Aber verbauen dürfen wir diese Möglichkeit nicht. An vielen Stellen soll das berücksichtigt werden, damit sich das nicht zu sehr konzentriert. Für mich geht hier nicht um einen X-beliebigen Weg durch Berlin, sondern um den Fluss Spree - und damit, was wir mit und in ihm machen können.

Edu
Ort: Berlin
Offline
Beigetreten:
31.01.2015

Meine Familie und ich leben seit drei Jahren in der Gegend und freuen uns grundsätzlich über jede Aufwertung des Spreeufers. Ich selbst lebe seit 20 Jahren in Mitte-Mitte, auch nach der Geburt unserer Tochter haben wir uns bewusst entschieden, im Bezirk zu bleiben und nicht rauszuziehen. Wir verbringen viel Freizeit in unserer unmittelbaren Umgebung. Dabei sehen wir derzeit den Bereich zwischen Fischerinsel - Mauerbrache Mitte/Kreuzberg - Spreeufer bis Brückenstraße als den für uns maßgeblichen einheitlichen und zusammenhängenden Lebens-, Bewegungs- und Aufenthaltsraum. Davon ausgehend habe ich folgende Vorschläge für das Spreeufer:

1. Anbindung der Wohngegenden um die Annenstraße ("Berolina-Park") an das Spreeufer durch schön gestaltete Gehwege und Fahrradwege hin zum Spreeufer; weiterer Ausbau von Tempo 30-Zonen
2. Spielplätze für Kinder
3. Gastronomie von der Art wie das "Cafe am Engelbecken"
4. Baldiger Wiederaufbau der Brücke vor dem Märkischem Museum, aber mit reduzierter Kfz-Nutzung (z.B. als Einbahnstraße mit Ausfahrt in Richtung Alexanderplatz)
5. Vermeidung "dunkler Aufenthaltsecken" (z.B. unter der Jannowitzbrücke) und von Verwahrlosung an Parkbänken und Grünflächen durch Trinker, Drogenkonsumenten und Party-People. Vielleicht hilft ein durchdachtes Straßenbeleuchtungs- und/oder Straßenreingungskonzept?!
Zu den bisherigen Vorschlägen meine ich:

@ "Stadtbär": voll einverstanden
@ "Andreas Lorenz": zu großen Teilen einverstanden, aber ich glaube angesichts der vielen Brüche wird die Gegend noch lange Zeit "unvollkommen" wirken. Daher habe ich nichts gegen auch mal durchgehende gestalterische Konzepte. Aber stimme hier vollkommen zu: "Nichts entwickeln, was so pflegeintensiv ist, dass es dann - ab Zeitpunkt der Fertigstellung und Übergabe - mangels Wartung und Unterhalt schneller verfällt als es gestaltet wurde."
@ "Brigitte Kunze": Bei dem jetzt schon dichten und in Zukunft wohl noch zunehmendem Schiffsverkehr wäre Schwimmen an dieser recht engen Stelle der Spree meines Erachtens sehr gefährlich. Aber es gibt doch Pläne diesen alten Kanal an der Museumsinsel, wo kein Schiffsverkehr stattfinden, zu naturalisieren und zum Schwimmen freizugeben.

Brigitte Kunze
Offline
Beigetreten:
30.01.2015

Baden geht auch bei Schiffsverkehr. Schon 1817 wurde z. B. das Pfuelsche Schwimmbad in Kreuzberg - ganz Nähe der Oberbaumbrücke - eröffnet, allerdings als Militäreinrichtung. Aber viele Fanden Spaß am Schwimmen mitten in der Stadt. Mit ein paar Abgrenzungen (wie in Seen üblich) um mit Begrenzungpfählen läßt sich das alles regeln, ich vertraue da auf die Kenntnisse des Wasser- und Schifffahrtsamtes und des Senats. Für mich -als Anwohnerin auf der Friedrichshainer Seite - bedeutet die Möglichkeit, im Alltag - ohne Urlaub - nach Feirabend einmal ins Wasser zu springen: pure Lebensqualität! Das könnte viele Anwohner an die Spree "binden". Aber natürlich finde ich auf die Idee, den Kupfergraben zum Schwimmbecken zu machen, auch toll. Aber: An vielen Orten, für viele Menschen die Spree entwickeln - das sollten wir uns nicht vermasseln durch die geplanten Bauten. Mein Anliegen ist, die Schwimmmöglichkeit offen zu halten - nichts bauen, was das in Zukunft verhindert. Denn im Kern ist ein Wasser-Ufer-Weg auch immer dazu da, REINZUSPRINGEN.

Edu
Ort: Berlin
Offline
Beigetreten:
31.01.2015

Nun, warum eigentlich nicht. Wenn das mit Begrenzungspfählen oder ähnlichem geht. Aber letztlich dürfte die Realisationswahrscheinlichkeit vom Wasser- und Schifffahrtsamt abhängen.

Jan

Die Probleme einer Großstadt lassen sich auch aus dem Sanierungsgebiet nicht raushalten. Müll und Vandalismus wird es geben. Ganz ohne Bürgerbeteiligung wird es auch beim Sauberhalten nicht gehen. Das habe ich an anderer Stelle in Berlin selbst erlebt. Sich an der Pflege der eigenen Umgebung selbst zu beteiligen kann auch sehr befriedigend sein. Der Effekt ist sofort sichtbar und verbessert die Beziehung zum Ort. Hier ist "urban gardening" ein interessantes Konzept.
Das Ufer soll genutzt werden. Je mehr es genutzt wird, desdo weniger "tote" und damit auch als gefährlich empfundene Ecken werden entstehen. Deshalb finde ich die Nutzung als Verkehrweg für Fußgänger und Radfahrer sehr wichtig. Für "Attraktionen" am Wegesrand sind viele gute Ideen sind im Forum nachzulesen.

Melli Melchior

Bin Anwohner seit 15 Jahren hier im Kiez. Hier sind meine Wünsche:
Ich träume von einem Ufer wo ich mich ein bisschen erholen kann. Hier im Kiez ist zu viel Dreck und ich wünsche mir zum Abwechslung ein Park ohne Graffitti, Glasscherben & Müll. Wollen wir wirklich hier so leben? Kann es nicht anders aussehen? Ich wünsche mehr Natur, mehr Lebensqualität, mehr Erholung. Ein Beispiel wo es mit der Gestaltung nicht klappte ist gegenüber auf der Friedrichshainerseite. Dort errichtet die Stadt Berlin ein "Park" und schnellstens wandelelte es sich in einem "Müllpark" mit Touristenbonus. Nicht gerade einladend für die Anwohner. Wie können wir so was vermeiden auf "unsere" Seite?

Ufergestaltung mit mehr Grün
nicht so streng gestaltet - nicht wie vor Verdi
Rad & Gehwege zusammenutzung, nicht voneinander getrennt
Finde essbare Planzen & Bäumen eine gute Idee - Ein Walnußbaum?? Apfelbäume? Geht so was?
warmes Beleuchtung
Schwimmen ja!
Stege finde auch ein interessantes Idee
Trim Dich Pfad auch nicht schlecht
Erlaubnis für Kanus wäre auch schön. Warum soll der Fluss nur Schiffe gehören?
Hauptsache wir haben ein Uferweg wo man sich wohl fühlt und erholen kann. Ja ja, ich weiß es ist nur ein Traum aber es ist schön zu träumen :-)

CityOase

Liebe Forums-Betreiber und Mit-Anwohner, ich freue mich sehr, dass der Uferbereich neu gestaltet und durchgehend erschlossen werden soll! Viele Argumente und Ideen wurden bereits ausgetauscht und genannt. Ergänzend trotzdem hier auch meine Position und meine Favoriten für die Uferwegsgestaltung:

Im Gegensatz zur Situation in vielen anderen Metropolen haben wir hier weiterhin die Chance der Neugestaltung noch nicht erschlossener Flächen, wie dieses Uferbereiches. Mehr Leben und Aktivität am Wasser, wo aktuell Brache ist - hier können wir das Kernstücks eines Viertels schaffen, das bisher nur die Ansätze eines Kiezes zeigt. Tempelhofer Feld und Tiergarten sind von uns ein Stück entfernt. Umso wichtiger, dass es hier ebenfalls ein kleines "Naherholungsgebiet" gibt.

Besonders schön wären aus meiner Sicht:
- Viel Natur
- Fahrradweg
- Trimm-dich-Pfad
- Tischtennisplatten
- Picknick-Ecke mit überdachtem Bereich (mit Grillmöglichkeit?)
- Kinderspielplatz
- Wasserzugang (Treppe, Stege) zum (möglichen) Baden und Kanufahren
- Cafés, Kioske, ggf. auch kleines Restaurant/Weinbar mit Tanzfläche wie am Bodemuseum (natürlich nur bis 22 Uhr ;-))
- Bereiche für gemeinsames Urban Gardening
- Schachfeld, Boules-Bereich oder andere Draußen-Kneipensporteinrichtungen
- Genügend Abfallbehälter, damit alles schön bleibt

Ob derartige Wünsche finanzierbar sind, ist natürlich eine wichtige Frage. Vielleicht wäre eine Crowdfunding-Initiative eine Möglichkeit, wenn der Bezirk Mitte nicht mehr weiter weiß ;-)?

Tonmeise

@Ruhe1: es würde natürlich sehr helfen, wenn die Beiträge nicht so einseitig sind und der ironische Unterton wegbliebe. Außerdem sind die Schalldruckpegelangaben verwirrend, da sie nicht in einen fachlich sinnvollen Zusammenhang gestellt sind: das 1/r-Gesetz sowie die reale Bebauungssituation vor Ort (Stichwort Abschattung), die sich mit der Admiralbrücke überhaupt nicht vergleichen lässt, sind völlig außer Acht gelassen. Außerdem sprechen wir von einer Großstadt die ihren u.a. auch wirtschaftlichen Mehrwert nicht dadurch gewinnt, dass sich in Ihrer Mitte eine Vorgartenidylle breitmacht.
Lärmschutzbedenken sind richtig und wichtig, unbestritten. Aber sie dürfen eine Diskussion, in der es um die Entwicklung einer solchen Stadt wie Berlin geht, nicht den Nährboden für Ideen entziehen. Und vor allem nicht in diesem Tonfall.
Viele Grüße aus der (die nächsten zwei Jahre mit einem durch den Neubau der Straße deutlich höher belasteten Lärmpegel) Melchiorstraße.

Seven

Bevor das Forum nun geschlossen wird, will ich es doch noch kurz nutzen,
obwohl ich grundsätzlich kritisch bin, ob die Themen und Belange der Beiträge bei der Umsetzung Gehör finden werden.
Zum einen lässt mich die Aussage von Herrn Spallek bei dem Informationsabend letztes Jahr daran zweifeln, als auch der Kahlschlag auf der neuen Stichstraße (Wilhelmine Gemberg Weg) zum Uferweg, bei dem alle vorhandenen Bäume erst einmal abgesägt worden sind.
Keine Bürgerbeteiligung, obwohl es Teil des Uferweges sein soll!
Mit dieser "Tabula-rasa"- Mentalität wird wahrscheinlich auch am Ufer vorgegangen, befürchte ich, da - laut Baustadtrat - eine durchgehend einheitliche Befahrbarkeit mit Wartungs- und Rettungsfahrzeugen gegeben sein muss.
Wenn ich dann dazu im diesem Forum lese, dass die Paula-Thede-Uder bis zur Eisfabrik verlängert werden soll, dann frage ich mich, wo denn all die wirklich schönen und kreativen Ideen, die wir hier lesen können, verwirklicht werden sollen.

Aber dennoch, auch ich bin grundsätzlich dafür:
- möglichst viel von den bestehenden Vegetation zu erhalten (auch wenn das alles keine schützenswerten Bäume sind, aber es sind nun einmal Bäume, von denen es ja in Kreuzberg/Mitte wahrlich nicht so viele gibt!).
-Keinen motorisierten Verkehr am Ufer, sondern ausschließlich Radfahrer und Fußgänger.
- Die Erlebbarkeit des Wassers durch Einstige/Sitzstufen zu fördern, bzw. auch natürlichen Uferrandbepflanzung, wie beim Mörchenpark.
- Anlegeplätze für Ausflugsdampfer, etc. gibt es m.E. schon ausreichend und tragen nicht zur Steigerung der Erholungsqualität bei.
-Lärmbelästigung ist jetzt schon ein großes Problem (Technoschiffe, Strandparties und Clublärm...) und sollte bei weiterer Planung unbedingt berücksichtigt werden.
- Für die Erlebniswelten, die unter "Marktplatz am Wasser" gepostet worden sind, kann ich mich leider nicht erwärmen. Sie passen städtebaulich nicht in den Kontext, bzw. lässt die Spree sie als Bundeswasserstr. bestimmt nicht zu. Ansonsten wäre ich auch für schwimmenden Inseln...